A cappella festival, Dortmund

Tag 2
1. Juni 2009 - Westfalenpark, Dortmund, Deutschland

Waschkraft

Am Montag sind wir wieder früh genug da, um einen Platz ganz vorne zu ergattern. Die erste Gruppe, Waschkraft, kennen wir noch vom letzten A Cappella Festival hier im Westfalenpark. Wir waren im Jahre 2006 auch dabei (und der Bericht dazu gibt es hier). Heute entdecke ich zwei neuen Sänger, Immo Blumhoff und Ansgar Machalický, die zusammen mit den "alten Hasen" Peter Moslener und Peter Philipp jetzt die Gruppe Waschkraft formen. Die gestreifte Anzüge kommen mir bekannt vor, hatten sie die vor drei Jahren auch nicht schon?

Waschkraft: Immo Blumhoff, Ansgar Machalický, Peter (Pedda) Moslener und Peter Philipp

Die vier Sänger fangen an mit Lampenfieber, ein Lied mit dem sie klarmachen, dass nicht nur sie, sondern auch die Leute im Publikum Lampenfieber haben können. Warum nicht bei mir (How deep is your love) ist ein saukomisches Lied in dem sie sich u.a. aufregen über das Fehlen der Kuscheltierwerfende Frauen. Hey Schatz erinnert mich an LaLeLus Bist du endlich mal so weit von gestern, weil es um das gleiche Thema handelt. Im Publikum wird viel gelacht. Richard Gere kennen wir noch vom letzten Mal und ich mag den Fund "ich bin der Mann von der Frau von Richard Gere" mit dem das Lied endet. Waschkraft singt fast nur Texte die total absurd sind. Sie sind nicht die besten Sänger in der Welt, aber brauchen das auch gar nicht zu sein. Ihr Humor ist fantastisch!

Wie Immo bei Waschkraft kam, erzählt er in einem Lied über die Fee, die drei wünsche hatte. Leider hatte sie nur nicht so viele Wahlmöglichkeiten mehr übrig und so kam er letztlich bei Waschkraft. Warum Waschkraft eigentlich ohne Instrumente auf der Bühne steht wird erklärt in das extrem lustige Lied Ist zu teuer (Ring of Fire). Zur Abwechslung bietet Waschkraft ein paar Lieder "Folklore", die vor allem viel Spaß machen wenn man sie live sieht. Auch ein Dudelsack wird gemeinsam imitiert, aber nur ganz kurz, denn es ist toller das zu hören, dann es zu singen, sagt Immo, als er mit seinem Gesicht unter Peddas Acksel herkommt.

Weil Waschkraft auch mal was singen möchte, was sie selbst mögen, gibt es auch heavy metal im Programm. Bei Böse wird klar, dass die Gruppe noch ein bisschen blöder geworden ist als vor drei Jahren. Es wird geknurrt und gebrummt und Peter spielt Gitarre auf einer Kettensäge. Nachher wird das Publikum bedankt, weil es durchgestanden hat. Uns wird versprochen das ab jetzt nur noch schöne Lieder kommen. Das nächste Lied ist aber schon wieder ganz albern. Es ist der Sommerhit und allen sollen den alberne Gebärden mitmachen. Laut Waschkraft sind wir mit dem Lied für die Kleinen beim intellektuellen Teil des Programms angekommen. Das Lied ist laut Waschkraft für alle, auf die immer herabgesehen wird, die immer zur Seite gestoßen werden, für die Underdogs, für die, die immer zu anderen aufschauen müssen. Zum Beispiel die kleine Fritten in der Fritteuse.

Und so macht Waschkraft weiter. Mit einem Mitleidsbalade, einem Stimmungspotpourri und ein fransösisches Lied O Germaine, das zum Glück auf Deutsch gesungen wird, weil die Waschkraftsänger gar kein fransösisch reden. Absoluter Knaller finde ich das Lied das erzählt wie Ansgar bei der Gruppe gekommen ist, Ansgar du nervst. Uns wird auch noch erklärt warum die Sänger Knöpfe im Ohr haben: "Wir kennen das Programm schon und kriegen ruhige Musik eingespielt". Beim Festival 2006 fanden wir die Gruppe schon lustig und toll, aber in den drei Jahren bis heute ist die Gruppe noch besser und noch viel lustiger geworden. Der ganze Show ist komplett choreographiert und die Songs werden mit ganz, ganz viel Humor präsentiert. Immer wieder Waschkraft! Vielleicht aber das nächste Mal mit neuen Bühnenklamotten? ;)

Klangbezirk

Klangbezirk: Juan Garcia, Tanja Pannier, Barbara Bürkle und Matthias Knoche

Dann kommt Klangbezirk. Zwei Frauen und zwei Männer aus verschiedenen Städten Deutschlands. Ich weiß gar nicht was ich erwarten soll, ich weiß nur, dass sie mehr Jazz singen. Davon habe ich eigentlich gar keine Ahnung, denn sowas höre ich nicht so oft. Juan, der wähnred des Auftrittes die Lieder ansagt, erklärt uns Jazz. Wenn etwas ein bisschen schräg klingt, dann ist es wahrscheinlich Jazz.

Bei manchen Songs benutzen die vier Sänger/innen einen Loopmachine. Juan möchte uns zeigen, wie der Machine funktioniert und als Beweis das es nicht vorher aufgenommen worden ist, braucht er dafür ein Wort aus dem Publikum. Vorne im Publikum sitzen ein paar Mädels mit Wise Guys T-Shirts. "Ihr wißt ja, das die Wise Guys heute nicht kommen?" fragt er. Ja, das wissen sie. Wenn sie ein Wort nennen dürfen, sagen sie "wise guys". "Ja, das hatte ich natürlich ahnen können", sagt Juan, aber er singt brav "wise guys" ins Mikro und der Machine wiederholt seine Stimme. Der Loopmachine wird nur als Unterstützung benutzt, zum Beispiel bei den Song What can I do. Nie dominiert der Klang der Machine. Ich hatte mal eine nicht so gute Erfahrung mit einer Gruppe und so eine Machine (bei den Buddhas), aber zum Gluck weißt diese Gruppe die Machine zu benutzen ohne das es ablenkt vom Auftritt.

Man in the mirror und Remember the time sind beiden ganz schön. Die Stimmen harmonieren wunderbar. Nothing compares dürfte von mir aus etwas kräftiger gesungen werden und der hohe Ton im Refrain, der das Lied meiner Meinung nach so charakterisiert, fehlt. Schade! Juan und Matthias haben sich von Tanja und Barbera überreden lassen, das Lied Ain't no sunshine when she's gone zu ändern in Ain't no sunshine when he's gone. Ich finde das sehr sympatisch und fair ;). Für I deserve üben wir zuerst den Applaus, das donnernd sein sollte, denn dann können sie das auf der Webseite schreiben - das fänden sie schön. Während Black hole sun schlagt bei manchen Zuhörer Langeweile zu. Obwohl die Stimmen sich super anhören, sind die Lieder fast alle ruhig und ist die Abwechslung nicht so groß. Juan versucht mit seinen Moderationen das Publikum zu unterhalten, aber ein paar Kinder klettern auf die Bühnerand und haben angefangen mit dem Gummi der kaputtgeknallten Ballonnen zu schießen. Auch bei Take 5 lenkt das ab. Wir fragen uns wo die Eltern sind. Erst bei That's why I'm easy, als Juan am Ende des Liedes seinen Text ändert in "und hört auf mit dem Gummi rum zu schießen", hören die Kindern auf und laufen weg. Das Publikum schätzt dieses Auftreten und klatscht laut.

Sie singen noch You've got a friend, bevor es zu einer Improvisationsrunde kommt. Das Publikum darf Klangbezirk ihre Lieblingslieder zurufen und wenn Zwei von den Vier es kennen, singen sie es. Es folgen unterschiedliche Lieder, so wie Beethovens 9., Let it be, Summertime und Country Roads. Respekt! Zusammen formen wir noch den größten Chor Dortmunds, wenn wir zusammen die vier Namen der Gruppe singen. Außer den Namen lernen wir die individuellen Sänger und Sängerinnen leider nicht wirklich kennen. Juan moderiert und die anderen drei bleiben im Hintergrund. Klangbezirk dürfte von mir aus ein bisschen mehr Beachtung schenken an der Präsentation. Aber zum Klang und Gesangqualität kann keiner was sagen, da sind sie sehr gut. Mit I want you back beschließen sie ihr Auftritt und zeigen uns noch einmal wie gut sie sind. Das Publikum fordert dir Gruppe zurück auf der Bühne und wünscht sich als allerletztes Lied You are the sunshine of my life.

Maybebop

Maybebop: Jan Bürger, Oliver Gies, Sebastian Schröder und Lukas Teske

Die allerletzte Gruppe ist Maybebop. Die Monitorboxen verschwinden von der Bühne, denn die vier Sänger benutzen InEar Monitoring. Die Bühne sieht sofort ein bisschen größer aus.

Das erste Lied ist Smells like teen spirit. Ein guter Start, der leise anfängt, immer lauter wird und wieder leise endet. Es folgt Endlich Autentisch, ein Lied auf dem sie ganz stolz sind, weil sie das neue Programm Endlich Autentisch erst seit wenigen Wochen auf die Bühne singen. Ich habe das Programm noch nicht gesehen und kenne die neuen Lieder auch noch nicht weil ich erst heute die CD kaufen werde. Dieses Lied hat einen lustigen Text und ich schmunzel vor mich hin. Ohne weitere Ansagen folgen Kein Mann für eine Nacht und Die Gedanken sind frei. Perfekter Gesang und wie immer erstaune ich mich über die Tatsache, dass sie mit nur vier Sänger einen so vollen und tollen Klang produzieren können.

Es knallen immer mehr blauen Balonnen und Maybebop fühlt sich, als wurde sie beschossen. Es folgen noch drei brandneuen Lieder, Superstar, Stilles Lied (mit sehr besonderen Text und Choreographie) und Die Offenbarung. Ich höre genau zu, weil ich die für mich noch unbekannte Texte verstehen möchte und vergesse sogar Notizen zu machen. Der Mangel an Notizen wird ausgeglichen mit mehreren tollen Bildern. Die Gruppe hat schöne, sehr fotogene Choreographien! Das finde ich toll, denn bei einem Konzert will man unterhalten werden. Wenn ich nur zuhören will, höre ich doch zu Hause die CDs an. Der Mangel an Notizen könnte also auch daran liegen, dass ich fast kontinuierlich zur Bühne geguckt habe.

Engel ist schon ein älteres Lied, aber ich mag die A Cappella Version von Rammsteins Lied immer noch sehr. Maybebop braucht keine Moderationen, die Mimik spricht Bände. Basti holt eine Flasche Wasser, trinkt, und gibt die Flasche weiter an Jan. Jan nimmt auch einen Schluck und gibt die Flasche weiter an Lukas, der mit ein paar große Schlücke die Flasche leer trinkt. Olli versucht mehrmals, die Flasche zu greifen, aber es ist schon längst klar, dass er am Ende eine leere Flasche bekommt. Auch wie Jan, Lukas und Basti sich in einer Linie aufstellen für das nächste Lied, und Olli versucht sich dazwischen hinzustellen, verursacht großes Gelächter. Die Stimmung ist ein bisschen albern und das passt wunderbar bei der lustige Auffuhrung von Call me Al. Das Lied muss man live erlebt haben. Ich muss zugeben, dass ich das Lied auf der CD oft überspringe. Noch alberner wird es mit Mona Mu, ein Lied über Basti's Lieblingskuh, gesungen mit einem cowboy-amerikanischen Akzent und einen lustigen Choreographie.

Mit Birdland zeigen die Sänger sich auch in Jazz volkommen zu Hause zu fühlen. Es ist einer meiner Lieblingslieder der Gruppe, aber weil die Stimmung gerade so albern war, und dieses Lied plötzlich ganz normal und seriös, hätte ich das Lied lieber etwas früher im Programm gehört. In Schwarz oder weiß werden wir allen in irren Schubladen eingeteilt und das Lachen in meinem Gesicht ist jetzt endgültig wieder da. Ich möchte mich diesen tollen Stimmen eigentlich viel, viel öfter anhören. Dann wird entdeckt, dass die Bühne kaputt ist. Eine Bodenplatte stürzt in einer Ecke mindestens 10 Cm. Oliver sieht die Sache als nur lustig und springt ohne Angst auf die Platte als er nur mit Lukas Just the two of us singt. Sie wechseln dabei ständig die Begleit- und Leadstimme, und es hört sich echt total geil an. Sie improvisieren dabei und sehen sich gegenseitig an. Die Augen glitzern und sie haben sichtbar Spaß!

Boys in the bassbus ist wirklich ganz anders, ein gewöhnungsbedürftiges Lied. Die Jungs ziehen eine Show ab und übertreiben bis es wieder lustig ist. Sehr cool. Und auch in diesem Lied ist der Text, wenn man genau hinhört, total albern. Dann sagt Jan die letzte vierzehn Stücke an. Beim Boybandmedley sollten die Frauen schreien, kreischen und toben, und das tun sie auch. Mit Gummibaum, Bohemian Rapsody und Kaktus beschließt Maybebop ihr Auftritt und ist auch das Festival zu Ende.

Fazit: Maybebop war für mich weitaus die meist professionelle Gruppe des Festivals, in jeder Hinsicht. Aber auch die anderen Gruppen haben mich, außer Basta, sehr gut gefallen und oft beeindrückt! Das Festival war nicht das, aber sicherlich ein Highlight des Jahres und ich hoffe, das wir nächstes Jahr auch wieder dabei sein.

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