A cappella festival, Dortmund
Tag 1
31. Mai 2009 - Westfalenpark, Dortmund, Deutschland
Heute war es dann endlich mal wieder so weit. Das A Cappella Festival im Westfalenpark ist ein wunderschönes Festival in Dortmund. Wir besuchten das Festival zum ersten Mal im Jahre 2006, (ein Bericht davon gibt es hier) und seitdem hat es bei jedem Pfingstwochenende nicht geklappt wieder nach Dortmund zu fahren. Aber in diesem Jahr sind wir endlich wieder dabei!
Diesmal findet das Festival nicht unter dem Sonnendach platz, aber, weil das Wetter so schön ist, auf der große Wiese. Die Bühne befindet sich an der Südseite. Auf der Wiese stehen viele Holzbänke, aber auch viele Leute setzen sich einfach auf den Boden mit Decken, Kissen und Picknickkörbe. Die Stimmung ist gemütlich, man sieht Familien und Freunden die sich treffen und sogar für uns, "Weitgereisten" aus den Niederlanden, gibt es ziemlich viele Bekannten! Das Festival ist ein großes Wiedersehen vieler A Cappella Freunden.
Laut Zeitungsbericht war den Zuschauer-Durchschnitt 7500 Besucher, und das sah von weiter hinten so aus:
Wir saßen aber irgendwo ganz vorne, weil wir früh genug da waren um unsere
Freunden von Stimmrecht zu sehen die das Festival als
Lokalgruppe mit einem halbstündigen Auftritt eröffnen dürften. Das Festival
fängt immer um 13.00 Uhr an, dauert 2 Tagen und findet immer zu Pfingsten
statt. Drei A Cappella Gruppen pro Tag spielen ein fast komplettes Programm von anderthalb
Stunden. Zwischen den Auftritten gibt es jeweils nur eine Viertelstunde Pause. Eigentlich
sind die Pausen viel zu kurz wenn man dann CDs kaufen will, etwas essen und trinken will,
Freunden trifft und auch noch aufs Klo muss! Aber dafür bekommt man insgesamt 9 Stunden A Cappella
Musik, und ab diesem Jahr sogar 9,5 weil künftig in jedem Jahr einen "Newcomer" das
Festival eröffnen wird. Und das alles für nur €3,50 Parkeintritt pro Tag.
Unglaublich. Übrigens, wenn man bevor 11.00 Uhr ankommt, zahlt man noch den normalen
Parkeintritt von €2,00. Nicht zu fassen. Ende Werbung - lass mir mal was von den
Gruppen erzählen!
Stimmrecht
Stimmrecht: Daniel de Lorenzo, Swen Wagner, Tina Koch und Sebastian Diel
Von 12.15 bis 12.45 gehört die Bühne Stimmrecht zu. Sechs Lieder passen da wohl rein und die Liederauswahl ist klasse. Sie geben alles was sie haben, denn auf so einer schöner Bühne mit schon so viele Leute waren sie noch nie. Sie fangen an mit Hold the line. Abgesehen davon, dass Sedis Mirkofon am Anfang nicht richtig funktioniert, knallt es schon ganz überzeugend von der Bühne. Tina freut sich sichtbar, dass schon so viele Leute gekommen sind. "Oh, schon so voll!" staunt sie, und als sie das nächste Lied ansagt, wünscht sie uns ein kuschelig Zusammensein. Bei Killing me softly spielen Dan, Swen und Sedi zusammen den "Luftkontrabass", setzen sich dann auf den Boden und machen auf eine lustige Weise weiter auf einem unsichtbaren Keyboard.
Hier kommt Alex ist ein sehr tolles Lied im A Cappella Arrangement. Krasser Gegensatz ist Aus dem Beton, aber ich mag beide Lieder total. Das erste Lied baut sich schnell auf bis es gar nicht lauter geht. Beim zweiten, ruhigeren Lied mag ich vor allem die Stimme von Tina echoing im Hintergrund.
Mit dem Lied Heidegger kommen wir zum philosophischen Teil des Programms und allen werden angeregt mitzusingen. Selbstsicher springen die Vier auf der Bühne rum und Sedi wagt sich sogar vor der Bühne auf der Wiese. Es sieht so aus, als fühlt er sich total in seinem Element. Mit Like the way I do ist die halbe Stunde schon wieder vorbei, aber nicht, bevor Sedi noch kurz Werbung macht für unser Festival in den Niederlanden, wo sie am nächsten Samstag insgesamt 2 Stunden singen werden. Danke :)
Insgesamt fand ich den Auftritt von Stimmrecht ein sehr schöner Aufwärmung für das Festival mit sehr unterschiedlichen Liedern, Lockerheit und ein bisschen Humor. Ich höre sie immer wieder gerne zu!
Cash-n-go
Cash-n-go: Christina Bianco, Wayne Wegener, Thomas Steingruber (Steini), Thomas Haala,
Martin Seiler und Markus Schmoll (Schnorre)
Nach nur eine Viertelstunde Pause ist Cash-n-go dran, eine Gruppe aus dem Süden, aus Augsburg. Das hört man sich ihnen auch an. Wir werden mit einem "Grüß Gott" begrüßt, und obwohl Martin in Hochdeutsch moderiert, rollt das "r" noch schön - aber wir verstehen ihn. Ohne weitere Ansage, fangen sie an, I'm so excited zu singen. Das hört sich schon sehr gut an - obwohl das Lied natürlich immer ein guter Anfang ist, weil es ein sehr mitreißendes und fröhliches Lied ist. Es gelingt die Gruppe auch sofort, mitreißend und überzeugend rüber zu kommen. Fünf Männer und eine Frau ist eine etwas ungewöhnliche Kombination, hört sich aber gut an.
Nach dem Lied wird den Altersdurchschnitt des Publikums festgestellt und das Repertoire darauf angepasst. Es wird schon viel gelacht als das Durchschnittsgeburtsjahr auf 1962 geschätzt wird und dann schnell noch in 1963 geändert wird, weil sich jemand versteckt hat. Lady Madonna werden wir hoffentlich allen kennen. Obwohl es das Lied in vielen Variationen von vielen A Cappella Gruppen gesungen wird, muss ich zugeben, dass mir das Arrangement und den Klang von Cash-n-go gefällt.
Markus, oder Schnorre, wie er genannt wird, zeigt mit Probier's mal mit Gemütlichkeit sehr locker zu sein. Während des Liedes springt er von der Bühne runter und sucht sich in aller Ruhe etwas zu essen im Publikum. Nachher wird auf der Bühne 'geklagt': "Wir wollen auch so eine Decke auf der Bühne. Und Apfel. Und Bier."
Es folgen noch viel mehr bekannte Lieder, die mit viel Humor präsentiert werden. Happy Ending sollte für die Leute von 18 bis 25 Jahren sein. Martin meint, dass der Rest des Publikums ruhig zur Toilette gehen könnte, dann überlegt er sich, und meint wir sollten doch allen bleiben, weil wir schließlich alle €3,50 bezahlt haben. Das Publikum lacht laut los. "Bei uns ist das aber viel Geld!" Auch bei Man müsste Tenor singen können wird viel gelacht und der ABBA-Medley mit allen ABBA-Hits ("die sind aber alle gekürzt und jetzt dauert es nur noch 87 Minuten") wird mit viel Humor präsentiert. Mit Miss Jones, Walk like an Egyptian, Vielen Dank für die Blumen, Lady Marmelade und Bohemian Rapsody wird der eine nach dem anderen Ohrwurm angestimmt. Wir lernen, dass die Witze wo auf der Bühne mehr gelacht wird als im Publikum, die lustigsten sind, und das man klauen muss, was man klauen kann. Die anderthalb Stunden von Cash-n-go fliegen rum und wir genießen es. Als Zugabe gibt es einen Bee Gees Medley bei den Thomas nochmals den Clown spielt. Fazit: Eine sehr tolle Show die sehr schnell vorbei ging. Die Gruppe stand sehr locker und entspannt auf der Bühne, und hatte sichtbar Spaß. Gesangtechnisch auch sehr gut!
LaLeLu
LaLeLu: Tobias Hanf, Jan Melzer, Sanna Nyman und Sören Sieg
LaLeLu kennen wir schon, aber ich freue mich, sie wieder sehen zu können. Diesmal sind auch hoffentlich viele neue Lieder dabei aus dem neuesten Programm Grundlos Eitel, das wir übrigens noch nicht gesehen haben. Das erste Lied, ein echter Partysong und sehr geeignet für den Anfang der Show, ist Brazil. Dann folgt das Deutschland-Lied, oder auf der CD Zeichen und Wunder genennt, ein Lied das ich textlich nicht ganz kapier - das Problem habe ich aber öfter bei LaLeLu, und es liegt wahrscheinlich nur daran, dass ich aus den Niederlanden komme und nicht genug von Deutschland weiß und deswegen den Witz verpasse. Aber ich finde das nicht schlimm, denn beim nächsten Lied, Mein Testament, lache ich auch wieder an den richtigen Stellen mit. LaLeLu ist eine A Cappella Comedy Gruppe und den Lachmuskeln werden oft an die Arbeit gemacht.
Im Lied Bist du endlich mal so weit geht es um einen Mann (Jan), der auf seine Frau wartet (Sanna) bis sie fertig ist für die Party. Ein sehr lustiges Stück, mit Sanna im Morgenmantel und und mit chaotischer Frisur. Folglich singt Sanna mit normaler Frisur den Song Hot Stuff. Der Bundesland-Battle ist optisch sehr lustig, es wird gerapt und gesungen, Schleswig-Holstein gegen Niedersachsen, Hamburg gegen Lüneburger Heide - inhaltlich verpasse ich aber wieder den Pointen. Auf einmal ist alles wieder da ist ein wunderschönes Lied, mit sogar ein echtes Instrument, ein Saxophon, auf der Bühne. Bei Lasst uns stolz die deutsche Sprache sprechen käpft Tobi mit Perücke als Herr Professior Beinlich, für die deutsche Sprache. Der Text ist sehr lustig. Warum heißt es zum Beispiel I-Pod, warum nicht kleines, weißes, tragbares Musikbeschallungsgerät? Das habe ich mich schon so oft gefragt! Laut Sören braucht auch Deutschland einen eigenen Superheld. Eine Superheldin, eigentlich. Sanna als Geräusche-Woman macht viel Spaß und bringt das Publikum wieder zum Lachen.
LaLeLu macht weiter mit einem Improvisationsstück in dem Sören nach einem detaillierten Interview mit einer Frau aus dem Publikum, alle Details in einem Lied verwendet. Noch mehr Lieder des neuen Programms werden gesungen, so wie Lobet die Herrin, Pofalla und Schade. Auch der Promi-Talk, in dem Tobi viele deutschen prominenten Persönlichkeiten persifliert, ist wieder dabei. Wir bekommen auch noch Informationen bezüglich der LaLeLu-BonusCard, zum Beispiel das man Ermäßigung bekommt auf das nächste Konzertticket im Werte von einem Hamburger bei McDonalds wenn man 90 LaLeLu-Konzerten in einem Monat besucht.
Die LaLeLu's beschließen ihr Auftritt mit dem großen Jahrhundertmedley. Ich liebe diese Medley und kenne die unerwarte Wendungen auswendig. Noch einmal kehrt die Gruppe auf der Bühne zurück und sie singen das wunderschöne If I fall in love als Zugabe. Denn sie machen nicht nur Blödsinn!
Basta

Basta: Andreas Hardegen, Thomas Aydintan, Werner Adelmann, William Wahl und René Overmann
Dann ist Basta dran. Wir haben zu Hause zwei ziemlich alte CDs der Gruppe (Basta und B). Die zwei neueren CDs kennen wir nicht und mit der fünfte CD im Anmarsch gibt es heute also nur Lieder die wir noch nicht kennen. Ich bin ganz neugierig, denn die Gruppe habe ich noch nie live gesehen. Eine Freundin aus Hamburg hat die Gruppe vor ein paar Tagen zum ersten Mal gesehen und war begeistert. Ich freue mich, denn es fühlt so, als bin ich dabei, eine neue tolle Gruppe zu entdecken.
Die fünf Männer von Basta fangen an mit dem Lied Mexiko. Es hört sich gut an und hat einen ansteckenden Refrain. Das zweite Lied, Meine neue Freundin, kenne ich von dem Klavier-Kabarettist Bodo Wartke. In A Cappella Arrangement ist das teilweise natürlich ganz anders, aber es gefällt mir auch sehr gut. Die nächsten Lieder beeindrucken mich leider nicht so. Auf der Bühne passiert auch nicht so ganz viel. Die fünf Männer stehen meist in einer Reihe neben einander und singen ihre Songs. Die Moderationen packen mich auch nicht wirklich. Bei Fleisch gibt es eine lustige Choreographie, aber erst bei Wetter im Gepäck (ich bin mir nicht sicher, ob das Lied so heißt) bin ich wieder ganz dabei. Das Lied ist toll und hat ein sehr guter Ohrwurmgehalt! Weiter geht es mit Du tropfst, ein sehr lustiges Lied bei der ich mehrmals laut lachen muss.
René, der extrem schuchtern ist, sollte der "Womanizer" der Gruppe sein und beweist das mit Wild Thing, das er extrem schuchtern singt - aber das Publikum wird wild. Vertrauenslehrer und Spielerfrauen sind auch zwei ziemlich neue Songs, die mir inhaltlich wenig sagen. Es hört sich okay an, aber überzeugt mich nicht. Beim Singen bricht einer der Sänger ein paar mal in Lachen aus und es fühlt sich manchmal so an, als wäre man bei einer offene Probe, statt einen Auftritt. Zum Glück sind die letzte Lieder wieder besser. Die deutsche Version von SOS (Esso Es) ist lustig, Bratislava Lover hat einen schönen und lustigen osteuropäischen Klang - und natürlich klingen die beiden Wörter zusammen großartig. Der Bass Andreas wird auch noch zum Vordergrund erzwungen und er singt Merci, dass es mich gibt.
Alles in allem hat Basta mich leider nicht so gepackt wie ich gehofft hatte. Es gab lustige und schöne Lieder dabei, aber die Themen haben mich nicht immer interessiert und viele Lieder klangen irgendwie ähnlig. Choreographisch könnte sich auch noch viel verbessern. Es muss nicht bei jedem Lied komplizierte Choreographien sein, aber ein bisschen mehr Abwechslung was Aufstellung auf der Bühne angeht, würde schon gut tun.