LaLeLu: Nimm mich! - Die Hochzeitsshow
22. Märch 2007 - Emlichheim (G)
LaLeLu habe ich kennengelernt weil Sonja Wilts in 2006 zusammen mit den Wise Guys ein Duett aufgenommen hat. Mittlerweile habe ich Sonja schon dreimal bei einem Wise Guys Konzert gesehen. Deswegen ist mir schon länger klar, dass ich die A-Cappella-Gruppe LaLeLu auch mal sehen möchte. Aber ich wusste nicht, dass LaLeLu in März bei uns in der Nähe spielen würden. Was für ein Glück dass ich Anfang März auf der Tourliste schaute, dabei die mir unbekannte Orte aufsuchte und entdeckte, dass sie in diesem Monat sogar mehrmals bei uns in der Nähe spielen würden! Martin sagte sofort "ja, wir gehen hin" und Karten wurden bestellt. Aber dann kam der Gedanke: "Was machen LaLeLu eigentlich?" Ja klar, sie machen A-Cappella-Musik, aber das ist immer noch ein sehr breiter Begriff. Die Vorbereitung begann, die Webseite wurde kreuz und quer von links nach rechts und von oben bis unten gelesen und die Hörbeispiele angehört. Das hörte sich gut an, obwohl eine deutsche A-cappella-Oper mir irgendwie komisch in den Ohren klang. Immer offen für Neues und schon voller Begeisterung wegen der Hörbeispiele und guter Erfahrungen einer Freundin fuhren wir früh ab, nach Emlichheim.
Natürlich sind wir viel zu früh da... wie immer. Das Schulzentrum war schnell gefunden. Ein Auto mit HH auf dem Nummerschild und ein LaLeLu-Poster versichern uns, dass wir richtig sind. Wir sitzen noch eine Weile im Auto und als sich drinnen im Schulzentrum etwas bewegt, wagen wir uns hinein. Der Mann der unsere reservierten Karten hätte, ist noch nicht da. Als er ankommt und ich in meinem besten Deutsch nach unseren Karten frage, antwortet er mir in seinem besten Niederländisch. Ganz lustig, dieser Sprachenumtausch.
Nach und nach kommen mehr Leute rein die einander anscheinend alle kennen, an der Theke werden Gläser bereitgestellt und in der Halle werden noch ein paar Tische abgestellt. Die Vorbereitungen sind noch in vollem Gange. Eine Tür wird geöffnet und wir schielen in den kleinen Theatersaal. Auf der Bühne stehen drei Stühle und an manchen Stellen hängen Luftschlangen. Ein wenig später dürfen wir schon reingehen und wir setzen uns in die erste Reihe. Immer mehr Leute kommen rein und es fällt mir auf dass das Alter dieses Publikums durchschnittlich wahrscheinlich über 35 (oder 40?) liegt. Wir stellen außerdem fest, dass wir ruhig noch eine Dreiviertelstunde länger zu Hause hätten bleiben können, denn die erste Reihe bleibt bis kurz für acht fast ganz leer. Da traut sich keiner sich so nah an die Bühne zu setzen. Wissen sie etwas, was wir nicht wissen? In so einem Moment fühle ich mich immer ein bisschen nervös, aufgeregt, gespannt und neugierig. Lass es mal anfangen bitte!
Ja, die Tür wird geschlossen, die Lichter gehen aus und es fängt an! In verschiedenen Liedern lernen wir die vier Hauptpersonen kennen. Zuallererst kommt Sören Sieg auf die Bühne. Sören ist der musikalische Kopf der Gruppe, er hat die Texte und Arrangements geschrieben und singt Tenor. Wir befinden uns in diesem Stück augenscheinlich in einem Singleclub und Sören ist der kleine, nette Kellner. Er erzählt uns im Busenlied von seinen männlichen Gästen die nur auf die Frauen achten. Er selbst ist ein bisschen deprimiert, weil die Frauen nicht auf ihn achten. Der arme Mann wirkt sympathisch. Später singt er davon, dass es doch Sonnenklar ist, warum keine Frau ihn haben will; weil er viel zu klein ist.
Tobias Hanf, der Bass der Gruppe, bringt uns schon zum Lachen wenn er nur als Porno-Bernd auf der Bühne steht. Seine Rolle als erfolgloser Flirter ist der Knaller! Mit hässlichen Stiefeln, engen Jeans und Shirt, Sonnenbrille und cooler Frisur versucht er die Frauen zu beeindrucken. Er ist Fahrlehrer und bringt uns seine Gratistipps zu Gehör. Wir lachen uns kaputt als er erst cool mit seinen Händen in den Hosentaschen auf der Bühne steht und dann langsam seine Hände immer tiefer in die Hosentaschen steckt bis sogar seine Ellenbogen darin verschwinden.
Dann gibt es noch Jan Melzer. Seine Stimme hat einen Bereich von Bariton bis Tenor und in diesem Stück spielt er einen ganz ratlosen und reichen Hanseatensohn. Wenn er nicht bald heiratet, wird er enterbt. Heute muss es ihm gelingen, singt er im Ultimatum. Während des Liedes zerknittert er immer wieder unsicher und nervös seine Jacke, bis es ihm gelingt, die ganze Jacke in seine Hosentasche zu stopfen.
Die letzte Hauptperson ist natürlich die süße Sonja Wilts, die mit ihrer ganz klaren Stimme und wundervollen Ausstrahlung jede begeistert. Alle Männer stehen auf sie. Porno-Bernd versucht sie davon zu überzeugen dass er der richtige Mann für sie ist, und dass sie seine F.R.A.U. wird. Es ist klar, dass auch Kellner Sören Sonja liebt. Er kennt ihre komplizierte Bestellung auswendig und kann seine Augen nicht von ihr abwenden. Auch Jan versucht Sonja davon zu überzeugen dass sie ihn heiraten soll. Total nervös atmet er vor jeder Strophe ganz tief ein und im Lied versucht er, einen Heiratsantrag zu machen, aber er wird gestört als Sören Sonjas Getränk und einen Keks bringt und versucht, mit einem hoffnungsvollen, liebevollen Blick in den Augen Sonjas Aufmerksamkeit zu bekommen.
Es wird der Blondine zu viel. Sie verlässt schreiend die Bühne, flieht
zum Ausgang hinten im Saal und lässt die Tür zuknallen. Als sie zurückkommt
singt sie, dass sie es irgendwie super schön findet was
gerade passiert ist, aber dass irgendwas in ihr noch nicht klar ist. Sie ist verwirrt
und weißt nicht wen sie wählen soll. Wen sie am Ende wählt, werde ich
hier auch nicht verraten.
Bevor die Hochzeit anfängt, klingelt es an der Tür und der Vater, der Onkel
und der Großpapa des Bräutigams treten auf die Bühne. Sie sind gekommen
um guten Rat zu geben. Eigentlich sind es Sören, Jan
und Tobias, sie haben sich für dieses Lied als Mönche verkleidet.
Es sieht ziemlich imponierend aus, aber zum Glück kann man wegen der hässlichen Stiefel
noch erkennen wer Tobias ist, und die Körpergröße verrät Sören.
Der dritte Mönch sollte dann Jan sein.
Dieses kirchlich klingende Lied ist ganz schön. Sonja kommt auf die Bühne
weil sie den Gästen Schnittchen bringen möchte, aber beim Entdecken dieser
drei unheimlichen Mönche erschreckt sie sich so sehr, dass das Tablett mit
Brötchen hinunterstürzt und sie schreit "Jetzt brauch ich eine Pause!".
Nach der Pause kommt die Hochzeit. Der Vorhang der Bühne ist zu und als er sich öffnet, steht Sonja in ihrem Brautkleid schon auf der Bühne. Jetzt sollte ich vorsichtig werden, weil ich nicht alles verraten will. Die Es-klappt-nicht-Polka ist ganz lustig, Sonja ist total gestresst und frustriert von allem. Und das sollte der schönste Tag im Leben sein? Nein!
Am Ende sitzt Sonja traurig und weinend auf dem Boden. Anschließend versucht Sören sie aufzumuntern. Sie setzen sich und der Aufmunterungsversuch ist ganz erfolgreich. Das Publikum bricht in Gelächter aus und auch Sonja kann sich nicht zurückhalten. Alles was passiert ist so urkomisch und unerwartet. Ich glaube, ich habe noch nie solche Lachkrämpfe bei einem Konzert gehabt. Das nächste Lied sollte ganz romantisch sein, aber die Zwei können einander nicht mehr in den Augen schauen und schaffen es nur halbe Sätze zu singen bevor sie wieder in Gelächter ausbrechen. Auch das Publikum hört nicht mehr auf und wir kippen fast von unseren Stühlen vom Lachen. Geniale Szene!
Während der Hochzeit läuft alles schief. Der Prediger predigt und versucht dabei, das Brautpaar auf anderen Gedanken zu bringen. Der Prediger fragt uns, ob nicht irgendjemand im Saal etwas einzuwenden hat. Die drei Männer ziehen wortwörtlich an Sonja und ob am Ende alles gut wird oder ob Sonja doch einen anderen Bräutigam wählt? Ich werde es nicht verraten. Und wer weiß, vielleicht ändern sie das Skript auch noch mal... ;)
LaLeLu singt noch drei Zugaben, wobei Sören herrlich moderiert und uns immer wieder zum Lachen bringt. Die erste Zugabe ist die Vogelhochzeit, mit einem Spezialtext von Sonja. Die vier Sänger machen sich selber und einander zum Affen und auch das Publikum bleibt nicht unerwähnt. Die drei Männer müssen Sonja von der Bühne tragen, weil sie drauflos singt und Leute im Publikum beleidigt. Die zweite Zugabe ist das Prinzip Sobhuza, ein Lied über den König von Swaziland der 62 Frauen hat. Wir müssen alle mittanzen und klatschen und so sorgt LaLeLu dafür dass sie an jedem Abend Standing Ovations bekommen. Mit der Musterehe, einer schönen Ballade, beschließt LaLeLu den Abend. Sie verlassen den Saal und verkaufen und signieren in der Halle noch CDs.
Ich habe noch gar nicht erzählt von der Bodypercussion, die wir ganz toll fanden weil
wir im Januar einen Bodypercussionworkshop gemacht haben mit Rock4. Heute haben wir zum
ersten Mal gesehen, dass diese Technik angewandt wird. Super! Und ich könnte noch
erzählen von Jans Solo auf einer aufblasbaren Gitarre bei Dem
schönsten Tag im Leben, Tobias' Rap Da Hamwa,
Sörens Hüftschwung bei Kauf dir eine Vietnamesin
und Sonjas Opernlied und wie verdammt hoch sie eigentlich singen kann. Aber ich weiß
die Reihenfolge der Lieder nicht mehr und ich darf und will nicht zu detailliert werden.
Auf jeden Fall kann ich zum Schluss diese Show jedem empfehlen. Die Texte sind oft
lustig und die Schauspieler wirken überzeugend. Der Humor bringt uns nicht nur zum
Lächeln, es bringt uns zu lautem Lachen. Mit nur vier Stimmen bringt LaLeLu uns viele
verschiedene Stile zu Gehör. Eine A-Cappella-Oper, wie die Show genannt wird, ist eine
Untertreibung. Diese Show ist viel mehr als das!